Erzbischof Thomas Menamparampil SDB zu Gast an der Fachoberschule Forchheim

Ein winziges Metallkügelchen erinnert Erzbischof Thomas an gefährliche Zeiten. Bei einer seiner Friedensmissionen hat er die Munition gefunden. „Sie hätte auch mir gelten können“, sagt der Erzbischof. Zugleich ist sie für ihn ein Zeichen für den langen, schwierigen Weg, den die Region Nordostindien bewältigt hat. Nur über einen schmalen Korridor ist Teil des Subkontinents mit Zentralindien verbunden und liegt im Spannungsgebiet zwischen Bangladesch, China und Mynamar. Entsprechend groß und vielfältig sind die politischen, ethnischen und religiösen Probleme.

Interessanterweise wurde die Christianisierung dieser Gegend durch den oberfränkischen Missionar P. Otto Hopfenmüller aus Weismain im Jahr 1890 begonnen. Für die meisten von uns ist diese Weltgegend eher durch den berühmten Assam-Tee bekannt.

Der emeritierte Salesianerbischof, der kürzlich ( am 22.10.) seinen 83. Geburtstag feierte, gehört zu den profiliertesten Köpfen der katholischen Kirche Nordindiens. Besonders als Vermittler bei Konflikten zwischen ethnischen und religiösen Gruppierungen ist er weit über sein Bistum Guwahati hinaus bekannt geworden. Landraub, Rechtlosigkeit, Brandrodungen, gewaltsame Unabhängigkeitsbestrebungen sind einige der Probleme, die gerade die indigenen Volksstämme treffen. Viele davon sind Christen. Hunderttausende Menschen wurden aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen zu Flüchtlingen. Ihnen eine neue Perspektive zu geben war und ist ein Anliegen des Bischofs und seines „Joint Peace Mission Team“.
Erfolge zeichnen sich seit den 90er Jahren ab: So betreibt die katholische Kirche beispielsweise eine kleine Teefabrik, die 400 Familien ein Einkommen sichert. Die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, ein weiteres Anliegen der Kirche, wird vor allem durch die Hilfe der „touring sisters“ geleistet; das sind Ordensfrauen, die auf den unwegsamen Straßen der Bergregionen mit dem Jeep zu den entlegenen Dörfern unterwegs sind.

Für die Friedensarbeit braucht es einen langen Atem und viel Geduld, um hierfür alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen und ein Klima des Dialogs und des Vertrauens zu schaffen. Doch: „Auch die Krieger wollen Frieden“, sagt Erzbischof Thomas Menamparampil.

Seit seiner Emeritierung 2012 ist er weltweit ein gefragter Ratgeber, denn in nicht weniger als 11 verschiedenen Stammeskonflikten konnten er und sein Team die rivalisierenden Gruppierungen, die um Landrechte, Zugang zu Bodenschätzen oder politischen Einfluss stritten, befrieden.

Sein Engagement sorgte dafür, dass Erzbischof Thomas Menamparampil auf der Nominierungsliste für den Friedensnobelpreis stand.

Bei einem so beeindruckenden und engagierten Menschen ist es nicht verwunderlich, dass die jungen Menschen der FOS Forchheim konzentrierte und aufmerksame Zuhörer waren.
Der spannende Vortrag des Erzbischofs wurde durch einen filmischen Beitrag des katholischen Hilfswerks „missio“ über seine Arbeit und das Engagement seiner Mitstreiter im Nordosten Indiens ergänzt.
Die Schülerinnen und Schüler konnten am Schluss auch ihre eigenen Fragen und Beiträge einbringen, auf die der Erzbischof konkret und fundiert antwortete.
Mit einem Segensgebet und guten Wünschen für die Zukunft der Jugendlichen beschloss er seinen Besuch.
Wir alle werden diesen Gast, der den Religions- und Ethikunterricht bereicherte, lange in Erinnerung behalten.

Dagmar Übler

Berufliches Schulzentrum Forchheim · Fritz-Hoffmann-Str. 3, 91301 Forchheim
Telefon: 09191 7074-0 · Telefax: 09191 7074-56 · Kontaktformular